Barbara (2012) von Christian Petzold

 Freitag, 07.11.2014 um 19.30 Uhr

 

mit einer Einleitung von Lutz Krüger und anschließender Gruppendiskussion.

 

barbaraDas Einzelschicksal erscheint dem großen Ganzen immer untergeordnet – aber intime Dramen können einen politischen Willen wie unter einem Vergrößerungsglas auch bedrohlich erscheinen lassen und selbst zur Gefahr für ihn werden. In Barbara (Christian Petzold, 2012) entwickelt sich Vertrauen und lupenreine Liebe an eben diesen Grenzen. Zum Ende des Films überschlagen sich die Ereignisse. Wie in einem Kaleidoskop verkeilt sich unterlassene Hilfeleistung mit fragwürdiger Nächstenliebe, verwandelt sich Verfolgung in Sehnsucht, Überwachung in lustvolle Beobachtung, aus Flucht wird Rettung. In der letzten Einstellung peitschen die Wellen in der Dämmerung an die Ostseeküste. Ein Teil von Barbara tritt die Flucht an, man könnte analytisch sagen er geht wie ein Symptom. Um das Einzelschicksal zu verstehen und die Fäden zusammenzuführen, braucht es aber wieder den Blick auf das große Ganze, das im Anschluss des Films diskutiert werden kann.

Jahrestagung für Individualpsychologie 2014 „Kunst und Psyche“

30.10. – 02.11.2014

Freitag 31.10.14, 19.30 Uhr

Arbeitsgruppe/Workshop: Lebensstil und Lebenskrisen in Blue Jasmin von Woody Allen (Doreen Röseler / Christiane Grammel)

3tout387WoodyAllenEs werden biographische Aspekte des 1935 geborenen Regisseurs vorgestellt, wobei Erfolge, Lebenskrisen und die Frage nach dem individuellen Lebensstil berührt werden. Sein Verhältnis zur Psychoanalyse und sein Schaffen im höheren Lebensalter stehen ebenfalls im Mittelpunkt des Beitrages.

Filmvorführung: Blue Jasmine, USA, 2013

Die Protagonistin Jasmine sieht sich konfrontiert mit einem dramatischen sozialen Abstieg und schafft es zunächst mit Lügen den erneuten Weg nach oben zu bahnen, was kurz vor dem Ziel scheitert. Verknüpft ist dieser verleugnende Lebensrückblick mit der Geschichte ihrer Schwester Ginger, die einen konträren Lebensstil pflegt. Die Reflexion der Lebenskrise gelingt Jasmine nicht, weil der eigene Narzissmus die Authentizität in ihren Beziehungen untergräbt. Der Film bietet einen Spannungsbogen zwischen Selbstverantwortung und Leugnung und dabei vielfältige Anknüpfungspunkte zur Diskussion (Reflexion der Krisen, Finanzkrise im persönlichen Erleben, Desillusionierung und Verzweiflung). Anschliessend Gruppendiskussion.

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Samstag 1.11.14, 15 Uhr

Vortrag: Film als Container (Lutz Krüger / Ales Vapenka)

Filme halten viel aus: In unserem Beitrag wird die Funktion des Films als Container für die in unserer Gesellschaft enthaltenen destruktiven Strömungen, unerträglichen, überwältigenden oder unerwünschten Gefühle und kollektiven Erfahrungen beleuchtet.

 Veranstaltungsort: Harnack Haus Ihnestr. 16-20 – 14195 Berlin http://www.dgip.de/veranstaltungen/vorschau/

Mulholland Drive – Straße der Finsternis (2001) von David Lynch

Freitag, 20.06.2014 um 19.30 Uhr

 

mit einer Einleitung von Doreen Röseler und Jeannine Posern und anschließender Gruppendiskussion, geleitet von Hanna Reinhardt-Bork.

 

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Der Mulholland Drive bietet einen atemberaubenden Blick über Hollywood und das San-Fernando-Tal. Er ist neben dem Sunset Boulevard die große legendäre Straße von Los Angeles. In unzähligen Filmen fahren die Protagonisten die gewundenen Pfade entlang. Es ist aber auch ein Ort des Verbrechens und der Gewalt, denn immer wieder wurden hier Mordopfer gefunden und illegale Autorennen veranstaltet, bei denen Menschen ums Leben kamen – Im Film von David Lynch bildet der Mulholland Drive den Ausgangs- und Endpunkt des Geschehens, der dazwischen verlassen wird, um weitere skurile Orte und atmosphärisch beklemmende Innenräume aufzusuchen. Erzählt wird ein traumartig inszeniertes Geschehen, in dem Verschiebung, Verdichtung und halluzinatorische Wunscherfüllung ein Spannungsfeld von Realität, Illusion und Identitätskonfusion erzeugen. Dabei begegnen uns primitive Spaltungen, Fragmentierung und psychotische Projektionen zur Abwehr von Schuld und Trauer. David Lynch inszeniert dieses Drama auf mehreren Ebenen äußerer und psychischer Realität, die nicht durchgängig unterschieden werden. 

 

Nachtmeerfahrten. Eine Reise in die Psychologie von C. G. Jung (2011)

Freitag, 07.02.2014 um 19.30 Uhr

 

Mit einer Einleitung von Aleš Vápenka und anschließender Gruppendiskussion, geleitet von Hanna Reinhardt-Bork.

 

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In vielen Mythen aus unterschiedlichen Kulturkreisen muss der Held eine Nachtmeerfahrt absolvieren – eine abenteuerliche Reise mit Prüfungen, in denen er rätselhaften Wesen und gefährlichen Situationen begegnet und aus der er am Ende verwandelt hervorgeht. C.G. Jung ging selbst auf eine solche Entdeckungsreise und befragte die Welt der Symbole und Archetypen auf ihre Bedeutung für unser Leben. Die Nachmeerfahrt kann nicht nur als individueller Reifungsprozess verstanden werden, sondern auch als ein therapeutischer Prozess. Insbesondere das heilende Potential der Archetypen und Symbole, das bei richtigem Umgang zu einem vollständigen Leben und Gesundheit führen kann, ist für uns von Interesse.

Tatort – Borowski und der brennende Mann (2013)

Freitag, 29.11.2013 um 19.30 Uhr 

 

Mit einer Einleitung von Christiane Grammel und anschließender Gruppendiskussion, geleitet von Hanna Reinhardt-Bork.

burnerÜber 800 Tatorte wurden seit 1970 ausgestrahlt. Für viele Menschen gehört diese Serie zum Ritual des Sonntagabends. Und da gibt es spezielle Vorlieben  in Bezug auf die Kommissare und die Orte, so dass die Krimihandlung fast in den Hintergrund zu geraten scheint. An diesem Abend möchten wir uns dem Phänomen Tatort nähern, was an den konträr konzipierten Ermittlern so fasziniert und welche unbewussten Wünsche diese Serie weckt. Am Beispiel von ‚Borowski und der brennende Mann’ (2013, Regie Lars Kraume) kann besonders gut nachvollzogen werden, wie die Ermittler mehr oder weniger direkt mit der aufzulösenden Dynamik des Falls verwoben sind und dies die Aufklärungsarbeit behindert. Erst wenn das ‚Übertragungsgeschehen’ erkannt und benannt wird, wird der Blick unverstellter und frei für eine überraschende Deutung.

Die Zertifizierung durch die Psychotherapeutenkammer ist beantragt.

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